© Benjamin Thies

Aufräumen mit
Anuschka Rees

 

Die Bloggerin und Autorin liefert eine Antwort auf die täglich wiederkehrende Frage: Was ziehe ich an? Im Interview zu ihrem Buch „Das Kleiderschrank-Projekt“ verrät Anuschka Rees, wie sie zu ihrem eigenen Stil gefunden hat und gibt Tipps, wie auch Sie Schritt für Schritt eine Garderobe zusammen stellen, die wirklich passt.

30.03.2017

W

er kennt es nicht: Der Kleiderschrank ist voll bis oben hin und trotzdem hat man das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben. Zu viele Fehleinkäufe, zu wenig Kombinationsmöglichkeiten. So vergeht jeden Morgen aufs Neue viel mehr Zeit, als uns lieb ist. Anuschka Rees kennt das Problem, war sie als Studentin doch selbst ein richtiger Shopaholic und ihr Kleiderschrank voller unüberlegt gekaufter und schlecht sitzender Schnäppchen, die dem schmalen Studenten-Budget geschuldet waren.

Das hat sie irgendwann so sehr frustriert, dass sie während des Studiums ihren Blog „Into Mind” gründete, um genau dieses Problem anzugehen. In ihrem Psychologiestudium lernte sie viel darüber, wie Menschen Entscheidungen treffen. Die gelernten Theorien wendete sie dann auf ihr eigenes Kaufverhalten an – und übertrug diese auf den Blog. Das Ergebnis: Bewusster Modekonsum. Und die morgendliche Outfit-Wahl gelingt seither deutlich zügiger. Aus dem Blog ist nun ihr erstes Buch „Das Kleiderschrank-Projekt” entstanden – eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum perfekten Kleiderschrank.

Was ziehe ich an? Anuschka Rees zeigt mit „Das Kleiderschrank-Projekt“, wie Sie die perfekte Garderobe zusammenstellen.

Mit einfachen Strategien und Techniken lernt man, erfolgreich auszumisten, bewusster zu konsumieren, gute Qualität zu erkennen und das Beste aus seinem Budget herauszuholen. Und nicht zuletzt: Seinen ganz persönlichen Stil zu finden, der perfekt zum eigenen Leben passt.

Anuschka Rees im Interview

Sie sind aus ihrer eigenen Unzufriedenheit mit ihrem Kleiderschrank zum Bloggen gekommen. Wie haben Sie es vom unüberlegten Shopaholic zur nachhaltigen Modebloggerin geschafft?

Durch sehr viel Selbstreflexion, eine Prise Psychologie und den richtigen Techniken.

Ein Kapitel heisst: Qualität vor Quantität. Warum haben die meisten von uns zu viel Kleidung, die wir am Ende ohnehin nicht tragen?

Abgesehen davon, dass viele immer noch zu sehr auf Stilregeln hören, statt Ihren eigenen Stil zu entwickeln, spielt Fast Fashion natürlich eine große Rolle. Viele kaufen lieber fünf verschiedene Tops als ein richtig gutes, nur um dann festzustellen, dass die Bluse kratzt, in der Wäsche einläuft oder sich Fäden lösen. Leider ist es nicht so leicht, schon im Laden zu erkennen, welches Teil eine gute Qualität hat und welches nicht — denn allein der Preis sagt wenig aus. Deswegen gibt es meinem Buch ein ganzes Kapitel zum Thema „Qualität erkennen”.

Sie sind kein großer Fan von  Stildefinitionen, aber wir müssen einfach fragen: Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?

Zurzeit ist mein eigener Stil ziemlich bunt. Ich mag fröhliche Farben, aber in Kombination mit klaren Linien und ohne viel Schnörkel. Wenn ich meinem Stil einen Namen geben müsste, wäre das „Spring in the city”.

Experimentieren Sie mit Farben, Materialien und Schnitten, bis Sie Ihre Lieblinge gefunden haben.

Anuschka Rees

Helfen Sie uns auf die Sprünge: Wie findet man seinen eigenen, persönlichen Stil?

Zuerst einmal in den eigenen Kleiderschrank schauen und überlegen, was die derzeitigen Lieblingsteile von den Fehlkäufen unterscheidet. Danach suchen Sie sich Inspiration von außerhalb und durchforsten Pinterest, Magazine und Blogs. Dann heißt es: Ausprobieren! Experimentieren Sie mit verschiedenen Farben, Materialien und Schnitten, bis Sie Ihre persönlichen Lieblinge gefunden haben.

Wie lauten Ihre drei einfachsten Tipps für jeden Kleiderschrank?

1. Kaufen Sie nur noch Dinge, die Ihnen wirklich gefallen und perfekt passen. Alles was nur „gut genug” ist, lassen Sie eiskalt liegen.

2. Wie gut ist Ihr Kleiderschrank auf Ihren Alltag abgestimmt? Für welche Anlässe brauchen Sie regelmäßig Kleidung und wie oft? Der Inhalt Ihres Kleiderschrank sollte zu Ihrem Leben passen.

3. Behandeln Sie Ihre Kleidung so gut wie möglich, sprich: waschen Sie Dinge per Hand, wenn nötig oder bringen Sie sie in die Reinigung, lassen Sie sie nicht auf dem Boden rumliegen und reparieren Sie kleine Löcher oder Schuhsohlen so früh wie möglich, und so weiter. Das alles verlängert die Lebenszeit Ihrer Kleidung und lässt sie länger schön aussehen.

Welches Lieblingsstück verlässt nie wieder ihren Schrank?

Eine schwarze Umhängetasche, die schon meiner Oma gute Dienste geleistet hat.