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Cecelia Ahern
© Veronika Faustmann

Glanzstücke von

Cecelia Ahern

 

Werkstattbericht mit Video: Wir waren zu Besuch bei Cecelia Ahern in Irland. Bei einem gemeinsamen Spaziergang am Meer erfahren wir, wie der plötzliche Erfolg von „P.S. Ich liebe dich“ ihr Leben umgekrempelt hat, warum sie sich mit einer Elster vergleicht und wie ihre Tochter sie auf die Idee für ihr neuestes Buch „So klingt dein Herz“ brachte.

18.09.2017

Der Blick von ihrem Schreibtisch aus durch die hohen Sprossenfenster ist grandios. Die Bucht von Malahide. Segelschiffe dümpeln an ihren Bojen, das immerwährende Konzert aus klingelnden Wanten, Wellenschlag, Möwengeschrei und dem Tuckern von Fischerbooten weht herein. „Früher schrieb ich zu Hause. Meine Küche war mein Office“, erzählt Cecelia Ahern, 35, „doch als meine Kinder geboren wurden, musste ich was ändern. Das Lotterleben war vorbei.“ Also Schluss mit nachts schreiben und morgens ausschlafen. Ein Büro musste her. Seitdem ist Disziplin für Cecelia Ahern essenziell. Viermal die Woche von 9 bis 16.30 Uhr sitzt sie im Büro und arbeitet, schreibt E-Mails oder organisiert ihre Lesereisen. „Wenn ich zu Hause bin, ist nur noch Familienleben angesagt.“

Im Video zeigt uns Cecelia Ahern ihren irischen Heimatort und erläutert, warum sie nirgendwo sonst leben möchte. Außerdem erfahren wir, wie ihre kleine Tochter sie auf die Idee für ihr neuestes Buch „So klingt dein Herz“ gebracht hat.

KLAUSUR BIS ENDE MAI

 

Von Januar bis Ende Mai ist sie in Klausur. „Dann lebe ich mit meinen Figuren, bewege mich in der fiktiven Welt meiner Geschichte.“ Und die findet ihre Realität ganz altmodisch mit Stift auf Papier. „Handgeschrieben fließt besser“, findet die Autorin. Erst wenn ein Kapitel fertig ist, gibt sie es in den Computer ein und redigiert. Ab Juni wird das Buch druckfertig gemacht, parallel reist sie zu Lesungen durch die ganze Welt. „Allerdings liebe ich es, nach Hause, nach Irland, zurückzukommen.“ Geschrieben hat Cecelia Ahern gefühlt schon immer. Mit 14 Jahren Tagebuch. „Ich stamme aus einer Familie von tiefsinnigen Denkern. Ich musste meine Gefühle dokumentieren, analysieren, ich vertiefe mich in mich selbst, das war und ist mein Weg, mit Problemen fertig zu werden.“ Mit den typischen Teenie-Themen, aber auch mit der Scheidung der Eltern.

Belohnung: Die Bronzeskulptur der Künstlerin Orla De Brí schenkte sich Cecelia Ahern selbst.

Bronzeskulptur der Künstlerin Orla De Brí
© Veronika Faustmann

Ich wunderte mich immer, was vor sich ging und was die Menschen antrieb, warum sie dies oder jenes machten oder dachten und was dahintersteckte.

So geht es ihr bis heute. Noch ein wenig dunkles Geheimnis dazu, und das Rezept für ihre erfolgreichen Romane und Kurzgeschichten stand. Nach dem Abitur studierte sie Medien und Film in Dublin, versuchte sich als Journalistin. „Für genau zwei Tage“, lacht sie. „Das war nix für mich. Ich frage immer, was wäre wenn, nicht, was ist.“ Sie fuhr nach Hause und schrieb ihren ersten Bestseller in nur sechs Wochen. Da war sie 21.

Düfte fördern die Kreativität: Ruhe und eine Duftkerze der Sorte Limette, Basilikum und Mandarine braucht Cecelia Ahern zum Schreiben. Dann fließen die Ideen.

Cecelia Ahern
© Veronika Faustmann

Seitdem hat sie jedes Jahr ein Buch veröffentlicht. Die Welten, in denen sich ihre Protagonisten bewegen, sucht sie nicht, „sie finden mich. Meist sind es zwei Themen, die sich zu formieren beginnen“. Welches davon das nächste Buch wird, entscheidet die Hauptfigur. „Wenn die zu mir spricht, ein Film in meinem Kopf abzulaufen beginnt, dann weiß ich es. Die Geschichten entscheiden selbst über ihre Geburt.“

 

KEINE KOMPROMISSE

 

Deren Ursprung ist manchmal etwas, was sie in der Zeitung liest, ein interessantes Gespräch, eine ungewöhnliche Begebenheit. „Ich bin eine irische Elster“, sagt sie. „Ich picke mir etwas Glänzendes heraus.“ Dann simst sie den Ideenblitz an sich selbst, „sonst vergesse ich ihn in Sekundenschnelle“. Über ihre Idee wahrt sie Stillschweigen. Nicht mal ihrem Ehemann erzählt sie etwas.

Ich mag es nicht, wenn die Leute Fragen stellen oder mit Ratschlägen kommen, was in der Geschichte passieren könnte. Da bin ich störrisch. Ich schreibe nicht anderer Leute Geschichten!

Sie hält sich immer an den Grundsatz, den ihr Vater Bertie Ahern, von 1997 bis 2008 irischer Ministerpräsident, ihr mit auf den Weg gab: „Never compromise your work“, geh bei deiner Arbeit keine Kompromisse ein. Warum spielen ihre Romane immer in Irland? Ganz einfach: „Ich riskiere gerne viel in meinen Plots, aber nicht bei den Locations. In Irland kenne ich die Historie, die Mythen. Ich weiß, wie meine Leute reagieren, wie sie denken, worüber sie lachen.“ Da ist die irische Kleinstadt genauso gut wie jede hippe Weltstadt oder eben besser. Hier ist sie aufgewachsen, hier lebt im Umkreis von ein paar Meilen die ganze Familie. Hier kennt sie jeder und auch ihre Routinen. So ist allen in Malahide klar: Wenn Cecelia Ahern bei Gibney’s am frühen Nachmittag einen Champagner trinkt, dann ist das neue Manuskript fertig.

Disziplin: Vier Tage die Woche ist die Autorin in ihrem Büro, von Januar bis Mai schreibt sie am neuen Buch. Jeder neue Titel ergänzt die Ahern-Galerie.

Cecelia Ahern Bücher
© Veronika Faustmann




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