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Eric Stehfest
© Susanne Schleyer

Persönliche Buchtipps
von Eric Stehfest

 

10 Jahre Crystal Meth: Schauspieler Eric Stehfest räumt in der romanhaften Biografie „9 Tage wach“ mit seiner Drogenvergangenheit auf. Im Video-Interview spricht er über sein Leben mit und nach der Droge – und erklärt, warum seine neue Sucht das Schreiben ist.

11.04.2017

N

eun Tage lang hielt sein Vollrausch an, und nur knapp entkommt er dem Tod. Es war dieser Höllen-Trip, der das Leben von Schauspieler Eric Stehfest umkrempeln soll. Als Jugendlicher ist er zehn Jahre abhängig von Crystal Meth. In „9 Tage wach“ schreibt er über seinen Absprung, um damit anderen Mut zu machen. Er verfasste dieses Buch, weil es seiner Ansicht nach keine ausreichende Aufklärung zu dieser Modedroge gibt. Für ihn hat sich seitdem vieles geändert, und heute steht er vor neuen Herausforderungen. „Alles unter einen Hut zu bekommen, den Künstler und den Familienvater – und dabei ein guter Ehemann zu sein, dass ist meine große Aufgabe“ fasst er zusammen. Für sein nächstes Buchprojekt will er sich Zeit lassen, Hektik vermeiden und in ein ganz neues Thema tief eintauchen. Denn so viel ist klar: Statt Drogen hat er jetzt eine neue, gesunde Sucht für sich entdeckt – das Schreiben.

Beim Video-Gespräch in Berlin erzählt der Schauspieler, Autor und Filmproduzent Eric Stehfest von prägenden Büchern und Autoren, seinem „romanhaften“ Erstling und vom inspirierenden Arbeiten in der S-Bahn.

Im Drogenrausch:

9 Tage wach

Was nur wenige über den „GZSZ“-Star Eric Stehfest alias Chris Lehman wissen: Im wahren Leben hat er einen schweren Weg zurückgelegt. In seiner Jugend war er zehn Jahre Crystal Meth-abhängig. So sehr, dass er die fatale Droge schon „seine Schwester Christin“ nannte. Mit ihr sank er tiefer und tiefer. Als er einen neuntägigen Rausch nur knapp überlebt, wird ihm bewusst: er muss etwas ändern, wenn er weiterleben will. Eine radikale Kehrtwende, denn Stehfest sagt von sich, er habe zuvor ein jahrelanges Doppelleben geführt. Von dieser Erfahrung, der schmerzhaften Zeit im Entzug und dem Leben danach erzählt er eindrucksvoll und offen in seinem Erstlingswerk.

Stehfest schafft den Absprung, ist heute clean und macht sich zur Aufgabe, über die Gefahren von Crystal Meth aufzuklären: „9 Tage wach“ zeigt auf drastische Weise, welchen Schaden der Konsum von Methamphetaminen
anrichten kann. Und es zeigt auch, wie wichtig zweite Chancen sind. Ein Mutmacher für Betroffene und Interessierte.

Seine romanhafte Biografie „9 Tage wach“ verfasst Schauspieler Eric Stehfest in Zusammenarbeit mit dem Künstler Michael J. Stephan.

9 Tage wach von Eric Stehfest

Persönliche Buch-Tipps
von Eric Stehfest

rebellisch

Clemens Meyer: Als Wir Träumten

Nicht umsonst wurde Clemens Meyer kürzlich für den „Man Booker Prize“ nominiert. Zwar nicht für sein Werk „Als Wir Träumten“, aber die Nominierung von „Im Stein“ zieht nun internationale Aufmerksamkeit auf sein gesamtes Werk. „Als Wir Träumten“ hat mich durch meine Zeit als Hooligan begleitet. Es war mein Geheimnis, damals dieses Buch zu lesen und herauszufinden, dass nicht nur ich Schwierigkeiten mit Nähe habe. Ich war zu diesem Zeitpunkt dem Aufenthalt in einem Gefängnis sehr nahe. Was das Zuchthaus aus einem Menschen machen kann, findet man in diesem Werk eindrucksvoll heraus. Ein wirklich gutes Stoppschild für Streuner und Haltlose.

gemeingefährlich

Hunter S. Thompson: Hell’s Angels

Biker-Gangs sind alles andere als harmlos. Es sind tollwütige Wölfe, die jedem Lügner den Kopf abbeißen. Thompson hat sich diese Welt nicht nur von außen angesehen, sondern mitten drin gelebt. Er liebte die Geschwindigkeit, hat sich eine Schrotflinte in den Mund gesteckt und abgedrückt, als die Welt schneller wurde als er. Er sucht nicht nach poetischen Beschreibungen oder Bildern, die einen sanft heranführen. Er beschreibt die Dinge von innen nach außen, nein er schreit. Seine Zeilen brüllen einen förmlich an. Diese Gangs lenken die Kriminalität weitaus mehr als wir denken, sie arbeiten zum Beispiel mit Schauspiellegenden zusammen oder größeren Konzernen.

ge­schichts­träch­tig

Doron Rabinovici: Suche nach M.

Es gibt etliche Bücher, die für mich nach einer Verfilmung schreien. Dieses hier ist eines davon. Ich sitze bereits an der Entwicklung einer Drehbuchfassung. „Die Suche nach M.“ wird wahnsinnig plastisch beschrieben und führt einen immer wieder in Versuchung, sich falsch zu entscheiden. Fieberhaft will man erfahren, wer zur Hölle „M.“ ist. Fabelhaft werden gesellschaftliche Störungen in Charakterzüge und Ausdrucksweisen einzelner Personen gelegt.

erwachsen

J.D. Salinger: Der Fänger im Roggen

Ein Buch, das ich gerne meinem Sohn in die Hand drücken möchte, wenn die Zeit gekommen ist. Ich selbst habe es leider etwas zu spät gelesen. Dennoch hat es mir dabei geholfen, weniger Angst vor dem Scheitern zu haben, vor dem Leben außerhalb der familiären Sicherheit. Außerdem hat es mich darin bestärkt, alles loszulassen, was mir bis zu meinem 21. Lebensjahr vermeintlich wichtig geworden war, und mich in eine Entzugsklinik einweisen zu lassen, um endlich gesund zu werden.



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