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© Stocksy

Generation Citroën

 

Wofür brennen wir eigentlich? Darauf versucht der französische Bestseller-Autor Grégoire Delacourt in seinem neuen Roman „Der Dichter der Familie” eine Antwort zu finden: Die französische Generation der 1970er-Jahre steckt in der Krise. Edouard auch. Dabei gibt es so viele schöne Dinge, für die es sich zu leben lohnt – oder?

17.07.2017

Die Jugend von Edouard besteht aus gutem Essen mit der Familie, Zigaretten der Marke Gitanes und französischer Literatur. Und auch der Citroën des Vaters, der den Jugendlichen zum Internat bringt, ist ein Symbol für seine Generation. Es sind gut ausgebildete aber zerrissene Persönlichkeiten, die in melancholischen Filmen mit Michel Piccoli nach Halt suchen. Edouard findet zu sich durch das Schreiben – und hat Erfolg. Das private Glück lässt trotzdem auf sich warten. Und das sanfte Schweben des Citroën wird zu Gunsten einer besseren Straßenlage abgeschafft.

Der Wagen hüpft über die Route Nationale, er scheint zu fliegen. Das macht die hydropneumatische Federung – die tausende Menschen dazu bringen wird, sich zu übergeben. Edouard schreibt mit sieben Jahren sein erstes Gedicht. Die Familie ist begeistert, lobt und applaudiert ihm: welch eine Begabung! Von nun an ist er der Dichter in der Familie.

Doch es sollte alles anders kommen. Mit neun muss er die Klasse wiederholen, mit zehn stecken ihn die Eltern ins Internat in Amiens. Er studiert, wird statt Dichter Werbetexter, heiratet Monique, bekommt eine Tochter, dann noch eine... Die Jahre ziehen ins Land, die Familie zerbricht, das Leben geht weiter. Edouard gelingt es nicht, den einen Moment der allgemeinen Liebe und Bewunderung wieder entstehen zu lassen. Und trotz großer Erfolge als Werber fühlt er sich als Versager. Doch wie hatte sein Vater gesagt: „Schreiben heilt!“

„Schreiben heilt“ ist auch das Motto des Bestseller Autors Grégoire Delacourt.

© D.R. Lattès

Grégoire Delacourt schafft es, mit wenigen Worten einen ganzen Kosmos entstehen zu lassen. Fein und direkt skizziert er den militärischen Erziehungsstil auf Frankreichs Internaten. Bilder aus französischen Filmen dienen als Träume. Eine zauberhaft traurige Betrachtung über die Generation Golf in Frankreich. Sehr berührend.

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