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Uli Beutter Cohen im Gespräch mit Leserin in der Subway
© An Rong Xu

Karlas beste Blogger:

„Subway Book Review“

 

Wie finde ich mich zurecht im Bücher-Dschungel? Literatur-Bloggerin und Thalia Stories Autorin Karla Paul sucht Rat bei ihrer Lieblingsbuchhändlerin oder lässt sich von Buchprojekten im Netz inspirieren. Im Untergrund der Metropole New York City findet sie ein besonderes Schmuckstück: In der U-Bahn fragt die Kommunikationsberaterin und „Bookstagramerin“ Uli Beutter Cohen Passanten nach ihren Lieblingsbüchern – und sammelt diese Tipps mitsamt Fotos in ihrer Subway Book Review.

20.06.2016

Literarische Empfehlungen finde ich inzwischen nicht nur auf Blogs, sondern vor allen Dingen in den sozialen Netzwerken. Ein ganz besonderes Projekt verfolge ich bereits seit dem Start im Jahr 2013 – die „Subway Book Review” der Auswanderin Uli Beutter Cohen. Auf Instagram stellt sie sich hinter die Kamera und die Leser samt ihrer aktuellen Lektüre in den Vordergrund, und präsentiert uns so die Vielseitigkeit der englischen Literatur samt ihrer Liebhaber! Ein Kurzinterview über das internationale Projekt mit seiner deutschen Gründerin:

Seit 2013 bittest Du New Yorker in der U-Bahn um ihre Buchempfehlungen. Mittlerweile ist das Projekt international beliebt und bekannt, und hat auf Instagram knapp 60.000 Abonnenten. Wie kamst Du auf die Idee?

Uli Beutter Cohen hat auf Instagram knapp 60.000 Abonnenten.

Uli Beutter Cohen
© An Rong Xu

Vor dem Umzug nach New York habe ich einen Pakt mit mir geschlossen: Augen und Ohren offen halten. Wenn man sich in einer neuen Umgebung befindet, hat man nicht lange Zeit, bevor alles zum Alltag wird. Während meiner Trips im Untergrund fiel mir schnell auf, wie viele Menschen in der Subway Bücher lesen – und vor allem wie viele verschiedene Titel gelesen werden: Thriller, Klassiker, Autobiographien, geschichtliche Romane – eine genauso bunte Mischung von Büchern wie die Persönlichkeiten selber.

Ich finde ein Buch, das in der Öffentlichkeit mit sich getragen wird, sagt genauso viel über einen aus, wie ein Accessoire, wie zum Beispiel eine tolle Tasche, Jacke oder Schuhe. So kam mir die Idee einfach mal zu fragen, was diese interessanten New Yorker da so lesen und warum sie sich ihr Buch ausgesucht haben. Während meinem ersten, spontanen Gespräch kam mir die Idee ein Porträt zu schießen und das Mini-Interview auf Instagram zu stellen. Es kam gut an und so wurde aus der Idee die „Subway Book Review“, die immer weiter wuchs.

Lässt sich jeder Leser bereitwillig samt Lektüre fotografieren?

 

Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Leute ohne zu zögern an Bord sind. Leute unter vierzig sind meistens sofort dabei, vor allem wenn ich ihnen mein Instagram zeige. Aber auch ältere Leute gehen schnell darauf ein. Eine Dame hat mir erklärt, dass die Subway früher so ein bisschen wie ein Marktplatz war – ein Ort, an dem man miteinander plaudert. Sie hat gesagt, wie sehr sie das vermisst, seit alle Kopfhörer tragen und auf ihre Bildschirme starren – und wie sehr sie sich freut, dass sie wieder jemand zum Gespräch auffordert.

Matt: "It seems the book is taking apart humanism and belittling it. The author takes the stand that Darwinian Humanism is a false idol. The human belief in progress is wrong and pointless in his view. I don't agree with that at all. There's a book by David Deutsch called 'The Beginning of Infinity' that takes the opposite view. He says that all problems are solvable. I believe in that so much more. There's a trend of our growing preference for siloed views. I think it's important and good to read about opposing views. Otherwise all we have is a golden view of the past." Reading: Straw Dogs by John Gray. @forrestisaweirdo #humanism #johngray #daviddeutsch #lovenothate #orlando #unity #equality #prince #subwaybookreview 🗽

Ein von Subway Book Review (@subwaybookreview) gepostetes Foto am



Welcher der fast vierhundert Tipps konnte Dich privat so begeistern, dass Du Dir das Buch ebenfalls gekauft hast?

In unserer Wohnung findet man in allen Ecken Bücher und unser Buchregal platzt aus allen Nähten. Erst neulich mussten wir Raum für ein neues schaffen. Bestseller wie „Fates and Furies“ von Lauren Groff und „Between the World and Me“ von Ta-Nehisi Coates haben mein Herz gewonnen. Aber Subway Book Review erinnert mich auch daran, Klassiker wie „Jane Eyre“ oder „Lord of the Flies“ zu lesen.

Ich bin ein totaler Bücherwurm, schon immer gewesen, und lese gern verschiedene Genres. Zum Glück lebt meine beste Freundin in Berlin und macht mich auf deutsch-sprachige Title aufmerksam, wie zum Beispiel „Takeshis Haut“, „Auerhaus“ oder „Der Trafikant“. Ich liebe Bücher, die Menschen beschreiben, die sich in herausfordernden Momenten ihres Lebens befinden. Es darf auch gerne ein bisschen abstrakt oder dramatisch sein. Am liebsten nehme ich mir am Wochenende einen Tag Zeit, um ein Buch in einem Rutsch durchzulesen. Das lieb’ ich über alles, vor allem wenn ich eine vollgepackte Woche hatte. Nichts ist besser, als in ein anderes Leben einzutauchen – in Büchern oder in der Subway.

"Subway Book Review" ist auf mehreren sozialen Plattformen vertreten: Facebook, Twitter, Tumblr und Instagram.

Screenshot von Subway Book Review auf Instagram
© Instagram/subwaybookreview/

Uli Beutter Cohen ist sozial medial gut vernetzt: Die „Subway Book Review gibt es auf Facebook, Instagram, Twitter und Tumblr.

Welchen drei Instagram-Accounts rund um Literatur folgst Du besonders gern, welche Autoren/Leser/Bookstagramer sind neben der Review noch folgenswert?

Meine Empfehlungen sind @yahdon, @germanlit, @girlsatlibrary und ein toller Literatur Podcast @litupshow.



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