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Karlas beste Blogger:

Kulturjournalist Günter Keil

 

Wie finde ich mich zurecht im Bücher-Dschungel? Literatur-Bloggerin und Thalia Stories Autorin Karla Paul sucht Rat bei ihrer Lieblingsbuchhändlerin oder lässt sich von Buchprojekten im Netz inspirieren. Dieses mal sprach sie mit dem umtriebigen Günter Keil, der Literatur eine Bühne gibt – im Netz und in den klassischen Medien. Keils Spezialität: Interviews mit Literatur-Größen.

28.12.2016

Die Liste seiner Gesprächspartner ist lang: Er hat bereits Sebastian Fitzek, Jussi Adler-Olsen und Melanie Raabe interviewt und mit jedem Gespräch und jeder Buchbesprechung wächst sein Literatur-Blog. Der Kulturjournalist Günter Keil ist einer der wenigen Feuilletonisten, der die sozialen Netzwerke ebenso selbstverständlich wie Magazine und Zeitungen für seine Projekte nutzt und unabhängig von dem Medium neue Leser für Literatur begeistert. Neben seiner schreibenden Tätigkeit für Publikationen wie den Playboy, die Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online und Die Welt moderiert er Lesungen auf Festivals, führt Online-Interviews, ist Jurymitglied bei Wettbewerben und bloggt kriminell spannende Empfehlungen, manchmal mehrmals wöchentlich. Viele gute Gründe, um den Journalisten Günter Keil bei Thalia Stories vorzustellen!

Lieber Günter – seit einigen Jahren veröffentlichst Du Deine Interviews und Buchbesprechungen nicht nur in Zeitungen und Magazinen, sondern auch auf Deinem Blog sowie in den sozialen Netzwerken. Bisher haben sich noch nicht viele Kulturjournalisten zu diesem Schritt entschlossen.

Günter Keil hat mit vielen bekannten Schriftstellern Interviews geführt. Unter anderem auch mit Thriller-Autorin Melanie Raabe.

Melanie Raabe und Günter Keil

Ich habe schon immer aus tiefster Überzeugung als Freiberufler gearbeitet, für viele verschiedene Medien, von Radio und TV bis Print. Abwechslung und Vielseitigkeit faszinieren mich – da war es nur konsequent und logisch, meine Texte auch in einem Literaturblog zu präsentieren. Es gibt daneben aber auch ganz handfeste Gründe: In klassischen Medien existiert immer weniger Platz für Literatur, und ein Teil der Aufmerksamkeit verlagert sich schon lange ins Netz. Ich wollte darüber nicht jammern, sondern meine Basis erweitern, auch anderswo präsent sein. Also mache ich beides: weiterhin für Zeitungen und Magazine schreiben und parallel in meinem Blog drauflos rezensieren und interviewen. Für das Blogtexten gibt’s zwar kein Honorar – aber ich bin frei in meinen Entscheidungen, kann unkonventioneller formulieren und nutze meinen Blog als Visitenkarte.

Jussi Adler-Olsen, Sebastian Fitzek, Simon Beckett, Melanie Raabe – die Liste Deiner Starinterviews und Moderationen wird über die Jahre immer länger. Wer hat Dich denn am meisten beeindruckt und warum?

Ich bin immer wieder total beeindruckt, wie bescheiden und unkompliziert die meisten Starautoren sind. Mit Don Winslow habe ich intensiv über Politik & Drogen diskutiert und viel gelacht. Mit Simon Beckett und seiner Frau Hilary spazierte ich mal nach der Lesung eine Stunde suchend durch Nürnberg – wir fanden kein Lokal mehr, in dem es etwas Warmes zu Essen gab. Beckett nahm es trotzdem mit Humor. Mit den beiden Schweden von Erik Axl Sund feierte ich ihren Erfolg in einer Rooftop-Bar in Berlin bis spät nachts. Und Altmeister James Ellroy, der auf der Bühne laut schimpfte und coole Anekdoten erzählte, war backstage höflich und leise.

Wen würdest Du denn gern noch interviewen?

Haruki Murakami und seine Bücher finde ich total faszinierend – leider kommt er fast nie nach Europa und gibt kaum Interviews. Mit Dave Eggers würde ich auch sehr gerne mal plaudern, über „The Circle“, „Hologramm für einen König“ und sein soziales Engagement. Henning Mankell ist viel zu früh gestorben, eine Tragödie – ich bewundere ihn und sein Werk und hätte ihn gerne mal getroffen. Das gilt auch für Stieg Larsson und George Simenon: bitte steht endlich von den Toten auf! Wir brauchen Euch!

Was wünscht Du Dir für die Literatur in den kommenden Jahren?

Bücher brauchen Bühnen! Sorgen wir Literaturbegeisterte doch weiter dafür, dass diese Bühnen noch größer und noch besser verbreitet werden – egal ob im Netz, live bei Lesungen, in klassischen Medien oder in den vielen, vielen tollen Buchhandlungen. Ich wünsche mir, dass die Begeisterung für Literatur die Grenzen zwischen den Medien und den Menschen einreißt. Und, mindestens genauso wichtig: In diesen Zeiten der extremen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen wünsche ich mir, dass Bücher mehr denn je für Verständnis, Mitgefühl, Menschenrechte und Freiheit werben.

Zum Schluss lassen wir den Experten natürlich nicht ohne Buchtipps ziehen! Hast Du für uns drei Lieblingsbücher und drei Romane in 2017, auf die wir uns schon freuen dürfen?

Puh. Das ist schwierig. Es gibt so viele wunderbare Bücher. Aber gut, hier zunächst drei meiner Alltime-Favoriten:

„Mr. Aufziehvogel“ von Haruki Murakami

Mr. Aufziehvogel von Haruki Murakami

Mr. Aufziehvogel von Haruki Murakami

Ein fantasievoller, mysteriöser, spannender Roman, wie ein modernes Märchen voller Wunder und Waghalsigkeiten. Einfach unvergleichlich!

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„Vincent“ von Joey Goebel

Vincent von Joey Goebel

Vincent von Joey Goebel

Eine starke, provokante Medien- und Kultursatire über die Frage, ob man für großartige Kunst leiden muss. Köstlich und bitterböse!

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„Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak

Die Bücherdiebin von Markus Zusak

Die Bücherdiebin von Markus Zusak

Angeblich ein Jugendbuch, in Wirklichkeit jedoch eine sensationelle berührende Geschichte über die lebenserhaltende Wirkung von Büchern und das Sterben. Zum Heulen schön!

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Zu 2017: Ich freue mich vor allem auf Paul Austers 1.300-Seiten-Werk „4321“ und Roger Willemsens letztes Buch „Wer wir waren“. Fesseln lasse ich mich sicher von Lee Childs „Der letzte Befehl“ und intelligent unterhalten werde ich bei Martin Suters „Elefant“. Tja, und dann kommen noch neue Romane von Georg M. Oswald, Carlos Luis Zafon und und und.... Mir wird sicher nicht langweilig!

Ob auf seiner eigenen Website oder im „Literaturblog“: Die Buchtipps und Interviews von Günter Keil gibt es auf mehreren Kanälen, schauen Sie vorbei!





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