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Susanne Fröhlich und Constanze Kleis
© Gaby Gerster

Stories meines Lebens:
Mit Fröhlich und Kleis

 

Ohne ein Buch gehen beide nicht mehr aus dem Haus: Die besten Freundinnen Constanze Kleis und Susanne Fröhlich verbindet eine langjährige Freundschaft und die Bücherliebe. Wir sprechen mit dem Bestseller-Duo über ihren humorvollen Ratgeber „Kann weg!“, bewegenden Lesestoff und den Wert ihrer Freundschaft.

10.10.2017

Weil ich es so will!“ gehört zu den Sätzen, die Frauen öfter aussprechen sollten, denn laut Constanze Kleis und Susanne Fröhlich ebnen selbstbewusste Aussagen wie diese den Weg zum eigenen Glück. Und das ist nur ein kleiner Auszug von vielen praktischen Hilfestellungen und Gedanken, die die Autorinnen dem Lesenden mit an die Hand geben. „Kann Weg!“ heißt ihr neuer Ratgeber, und darin kommen viele Frauenthemen aus dem Alltag auf den Tisch. Dann wird gnadenlos aufgeräumt und ausgemistet – vor allem wenn es um überholte Rollenmodelle und seelische Stolperfallen geht. Nur auf ihre Freundschaft würden sie niemals verzichten, denn „Freundschaften sind viel zu wertvoll, um sie umstandslos auf den Sperrmüll zu stellen“, schreibt Susanne Fröhlich im vollständigen Interview mit Buchbesprechung. Auch darin sind sich beide einig. Sie schreiben zusammen, kennen sich seit Jahren, und inzwischen erscheint ihr neuntes Buch. Wir wollten herausfinden, was ihre Verbindung so besonders macht, und haben die besten Freundinnen nach ihren Lieblingsbüchern gefragt.

An einem sonnigen Tag in Frankfurt treffen wir die besten Freundinnen zum Plausch über Bücher und Freundschaft, und bekommen persönliche Lesetipps.

Persönliche Buchtipps von Susanne Fröhlich

wortgewandt

Meg Wolitzer: Die Ehefrau

Sie könnte über Kakteen schreiben und ich würde es lesen. Ihre Sprache ist wunderbar. Ihr Blick auf Rollenbilder und Geschlechterverteilung und in diesem Buch auf die Ehe an sich, ist manchmal ernüchternd, aber immer sehr klar. „Die Ehefrau“ ist ein Buch das sich gut liest und nachwirkt.

emotionsgeladen

Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben

Freundschaft ist das zentrale Thema dieses Buches und auch für mich ist Freundschaft extrem wichtig. Ich habe bei der Lektüre von „Ein wenig Leben“ zweimal geweint, mich gefreut und gelitten. Dieses Buch ist extrem. Voller Emotion und ermuntert und erinnert daran Freundschaften zu pflegen.

unwägbar

Lily Brett: Chuzpe

Dieser Roman ist wie Kartoffelbrei – warm und glücklich machend. Eine wunderbare Familiengeschichte rund um den 87jährigen Holocaustüberlebenden Edek und seine Tochter Ruth. Leicht, aber nicht seicht. Ein bisschen verrückt, sehr vergnüglich, einfach großartig.

scharfzüngig

Dorothy Parker: New Yorker Geschichten

„Hemingway hat nicht besser geschrieben, nur mehr.“ (Die Zeit) Dorothy Parker hat eine scharfe Zunge und benutzt sie zum Glück auch. Schauplatz ihrer Kurzgeschichten ist das New York der 20er und 30er Jahre. Ihr Sarkasmus und ihr guter Blick sind absolut faszinierend. Ich wollte ich könnte schreiben wie sie! Sie ist ein Vorbild, mutig und witzig.

phantastisch

John Irving: Garp und wie er die Welt sah

Lange Jahre war John Irving mein absoluter Lieblingsautor. Nicht weil er für meinen Geschmack fantastisch aussieht, sondern weil er, egal worüber er schreibt, egal wie absurd, wie tragisch und wie komisch alles ist, es schafft, dass man eintaucht in diese unglaubliche bizarre Welt, und ihm alles glaubt. John Irving zu lesen ist eine Art literarischer Drogentrip und dabei sehr viel günstiger und ungefährlicher.

Persönliche Buchtipps von Constanze Kleis

eigenbrötlerisch

Willy Russell: Der Fliegenfänger

Hier könnten auch „Keine weiteren Fragen“ von David Nichols oder „Fever Pitch“ von Nick Hornby oder „Die merkwürdigen Erinnerungen des Thomas Penman“ von Bruce Robinson stehen. Aber dieser Roman von Willy Russel – übrigens im Leben vor dem Schriftstellerdasein ein Friseur – ist Stellvertreter für alles, was ich gerade an britischen Autoren so mag: die feinfühlige Schnoddrigkeit, die Toughness, den Humor, die Menschlichkeit und das Fingerspitzengefühl für die sogenannten ‚kleinen Leute’, hier die Superhelden des Alltags. Und natürlich, die so beneidenswerte Beobachtungsgabe, zu erkennen, wie es manchmal nur ganz wenig braucht, um grandios zu scheitern, und wie viel mehr dafür nötig ist, wieder aufzustehen.

prunkvoll

Thomas Wolfe: Die Party bei den Jacks

Das Buch habe ich erst kürzlich in Susannes Regal entdeckt: Es spielt Ende der 20er Jahre. Die New Yorker Schickeria feiert am Vorabend des großen Börsencrash bei einem deutschstämmigen Bankier ein rauschendes Fest von nahezu absurdem Protz. Vielleicht, weil es die letzten arglosen Momente sind und man als Leser den katastrophalen Ausgang schon kennt, obwohl der Roman noch an diesem Abend der Party endet, aber trotzdem alles vorweg nimmt, was noch kommen wird. Vielleicht, weil die bei all der so offensiv zur Schau gestellten Sorglosigkeit aller Beteiligten, jeder auch mit seinen eigenen Dämonen im Clinch liegt. In jedem Fall ist es eine herrlich melancholische Satire, die natürlich umwerfend geschrieben ist.

ermutigend

Cheryl Strayed: Der große Trip – Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst

Meine Mutter war gerade gestorben und ich kämpfte mit der so verbreiteten Erwartung, man müsse möglichst schnell durch sein mit der Trauer, und dass die Zeit gefälligst pronto alle Wunden zu heilen hat. Dann kam dieses Buch, das ich eigentlich vor allem als Vorbereitung für ein Interview mit der Autorin gelesen habe. Sie erzählt darin, wie sie sich auf dem 1.600 Kilometer langen Pacific Crest Trail in den USA stets an ihre Grenzen wandert, um den Tod ihrer Mutter zu bewältigen. Ich fand dort den besten Trost überhaupt: Dass es vollkommen in Ordnung ist, untröstlich zu sein.

pfiffig

Susanne Fröhlich: Frisch gepresst

Als Susanne und ich uns kennen lernten und beste Freundinnen wurden, schrieb sie gerade dieses, ihr erstes Buch – und seitdem begleitet mich auch die Heldin ihrer Romane Andrea Schnidt. Ich bin immer wieder schwer beeindruckt, wie Susanne immer neue Geschichten entwickelt, wie sie so treffsicher die Absurditäten eines Frauenlebens im vermeintlich Normalen aufdeckt. Auch wenn ihre Romane nicht biographisch sind, findet sich darin vieles, was ich an Susanne so mag und weshalb es auch so viel Spaß macht, mit ihr zusammen zu arbeiten: Witz, Geist, Pragmatismus, Großherzigkeit, Neugier, Liebenswürdigkeit.





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