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Rainbow Rowell
© Augusten Burroughs

Die fabelhafte Welt
der Rainbow Rowell

 

Von Fanfiction und Magie: Der Bestseller „Fangirl” erscheint nun auch auf Deutsch, und das zugehörige Spin-off um den Zauberschüler Simon Snow folgt direkt im Anschluss. Rainbow Rowell verrät uns im Interview, welche Figuren sie sich am liebsten ausdenkt und welche Bedeutung Kunst und Comics in ihrem Leben haben.

24.07.2017

Endlich steht ein lang ersehnter Bestseller auch in den deutschen Verkaufsregalen! „Fangirl“ von Rainbow Rowell erzählt vom erwachsen werden und dem turbulenten Drumherum. Es geht um leidenschaftliche Fankultur, das erste Semester an der Uni, neue Freundschaften – und die erste Liebe. Damit nicht genug: Die amerikanische Erfolgsautorin liefert gleich die Fanfiction zu ihrem eigenen Roman. In „Fangirl“ schwärmt die junge Studentin Cath für ihre literarische Lieblingsfigur – der Rainbow Rowell nun mit „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ ein eigenes Buch widmet. Wir stellen beide Geschichten vor und sprechen mit der Autorin über Inspirationsquellen, Fanfiction und neue Buch-Projekte.

Fangirl: Fantasie versus reales Leben

Cather und Wren Avery sind Zwillingsschwestern und unzertrennlich. Sie machen alles zusammen. Als sie gemeinsam aufs College gehen, verändert sich plötzlich alles. Denn Wren möchte auf gar keinen Fall ein Zimmer mit ihrer Schwester teilen. Und überhaupt interessiert sie sich plötzlich für neue Dinge wie Jungs und Partys. Ihre Wege trennen sich und die introvertierte Cath, die rein gar nichts mit Jungs anfangen kann, zieht sich immer weiter in eine literarische Traumwelt zurück.

Ihre Leidenschaft ist die Literatur. Oder genauer: das Lesen von Simon Snow Büchern. Sie tauscht sich dazu in Foren aus und schreibt Fanfiction, Seite für Seite. Wer braucht da noch eine echte Beziehung? Der Erfolg gibt ihr ja Recht, tausende Leser folgen ihr und bejubeln ihre Texte. Doch all die beschriebenen Erfahrungen hat sie nicht in der realen Welt gemacht. Bis sie den beiden Jungs Nick und Levi begegnet. Und je näher sie ihnen kommt, desto stärker verändert sich auch ihr Lebensgefühl. Kann Cath ihr Herz auch für echte Menschen öffnen? Schafft sie den großen Schritt heraus aus der fantastischen Welt, in die sie einst geflüchtet ist?

Internationaler Bestseller: „Fangirl“ von Rainbow Rowell wurde bisher in 31 Ländern publiziert. In Deutschland ist das Buch am 24. Juli erschienen.

Fangirl von Rainbow Rowell

Simon Snow: Eine magische Geschichte

Ab 4. August ist Rainbow Rowells „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ erhältlich: Dieser fiktive Roman spinnt die Kinderbuch-Geschichte um den Zauberschüler Simon Snow weiter, der in „Fangirl“ seinen ersten Auftritt hat und Studentin Cath bezaubert. Simon Snows zauberhafte Welt ging der Autorin einfach nicht mehr aus dem Kopf – also führte sie seine Story in einem Spin-off weiter und schenkte ihm eine eigene Bühne.

Simon Snow ist der größte und mächtigste Zauberer, den es je gegeben hat. Dabei schafft er es nicht einmal, seinen Zauberstab gerade zu halten und bewegt sich auch sonst viel zu ungeschickt durch die Zaubererwelt. Dabei soll er sie eigentlich vor großem Unheil bewahren, zumindest laut Prophezeiung. Aber für Fälle wie ihn ist ja Watford da, das Zaubererinternat. Und zum Glück findet er gute Freunde: Auch Penelope, Agatha und Baz hat er es zu verdanken, dass die magische Welt noch nicht in Schutt und Asche liegt. Wird es den Freunden gelingen, die dunklen Mächte zu besiegen und die Welt der Magie zu retten?

Erfundenes wird wahr: In „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ spinnt Rainbow Rowell ihre fiktive Geschichte um einen Zauberschüler weiter.

Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow von Rainbow Rowell

Rainbow Rowell ist regelmäßig in vielen sozialen Medien aktiv. Unter anderem auf Instagram, Twitter und Facebook.



Rainbow Rowell im Interview

In „Fangirl“ schreiben Sie über zwei Schwestern, die aufs College gehen und ihren Platz im Leben suchen. Basiert diese Geschichte auf Ihren persönlichen Erfahrungen?

Auf jeden Fall steckt ganz viel von mir in Cath. Ich war auch sehr verängstigt, mein Zuhause fürs College zu verlassen. Ehrlich gesagt hatte ich mich schon dagegen entschieden – bis meine Freundin aus der High School vorgeschlagen hat, dass wir uns dort ein Zimmer teilen. Caths Unsicherheit, die Angst vor Veränderung und ihre Flucht in die fiktive Welt – all das habe ich selbst erlebt. Und sie wohnt tatsächlich auch im gleichen Schlafsaal wie ich.

„Fangirl“ beschreibt das Leben eines leidenschaftlichen Fans. Was ist das besondere an Fanfiction und dem FanDasein?

Für mich wird zum wahren Fan, wer sich in etwas verliebt, und diese Liebe dann in seinen Alltag integriert. Man schaut nicht einfach nur „Doctor Who“ und genießt das dann. Es geht darum, sich im Internet darüber auszutauschen, eigene Kunst zu machen oder Geschichten zu schreiben – oder von jemand anderem zu genießen. Man wird Teil einer Gemeinschaft und feiert gemeinsam diese Leidenschaft.

Ihre Hauptfigur in „Fangirl“ ist keine gewöhnliche Heldin: Sie ist stark und gleichzeitig schwach und voller Widersprüche. Was zeichnet einen gute Figur für Sie aus?

Ich möchte mit Figuren arbeiten, die sich echt anfühlen, die wie ganz normale Menschen auch mal chaotisch sind. Im wahren Leben verhalten sich Menschen nicht durchweg gleich – wir sind nicht immer tapfer, höflich und witzig. Wir passen uns den äußeren Umständen an. Im Umfeld meiner Geschwister kann ich sehr lustig und laut sein, und auf Parties möchte ich mich dann am liebsten im Badezimmer verstecken. Ich schreibe gerne über Figuren, die versuchen über sich selbst hinaus zu wachsen, und das richtige tun möchten, auch wenn sie ständig dabei scheitern.

In welchem Umfeld schreiben Sie am liebsten? Was brauchen Sie, um kreativ zu sein?

Mein erstes Buch entstand in einem Starbucks-Café in Nebraska, wo ich auch lebe. Aber wir sind gerade in ein Haus mit sehr viel Platz gezogen, und so schreibe ich zu Hause. Ich habe ein altmodisches Büro mit Holztäfelung, das wahrscheinlich 1945 für den Herren des Hauses erbaut wurde. Ich habe es pinkfarben tapeziert, damit ich mich darin wohl fühlen kann. Um kreativ zu sein, brauche ich Zeit.

Ich muss mich täglich mit meiner Geschichte beschäftigen, damit ich darüber nachdenken und sie voran treiben kann.

Rainbow Rowell

In „Eleanor & Park“ spielt Musik eine wichtige Rolle. Welche Bedeutung hat Musik für Sie?

Während des Schreibens erstelle ich mir eine Playlist für das jeweilige Buch. Diese Musik hilft mir dann dabei, den richtigen Ton für die Geschichte und ihre Figuren zu treffen. Manchmal höre ich einen bestimmten Song, um in einer Szene zu verweilen. Selbst wenn es Tage oder Wochen dauert, bis ich sie fertig stelle. Das Lied ist für diese Zeit mein emotionaler Anker; und ich höre es so lange, bis die Szene fertig geschrieben ist.

Sie haben einmal gesagt, dass sie ihre figuren nach abschluss einer geschichte zurück lassen müssen, um weiter machen zu können. Verspüren Sie jemals das Verlangen, ihre Charaktere wieder aufzusuchen?

Ja, ich habe es im wahrsten Sinne des Wortes mit den Figuren aus „Fangirl“ getan. Cath und Levi haben einen Gastauftritt in meinem Buch „Landline“. Außerdem habe ich Simon Snow ein eigenes Buch gewidmet, das in Kürze auch in Deutschland erscheint. Aber manche Figuren scheinen mir fertig erzählt zu sein. Ich glaube beispielsweise nicht, dass ich die Charaktere aus meinem ersten Buch „Attachments“ jemals wieder besuchen werde.

Die englische Version des „Fangirl“-Buchcovers zeigt Kunst von Noelle Stevenson. Welche Rolle spielt Kunst in Ihrem Leben?

Ich liebe es, Künstler und ihrer Arbeit zu verfolgen. Das Internet bietet viel mehr Möglichkeiten, Kunst zu erleben und neue Künstler zu entdecken. Ich sah Noelle das erste Mal auf Tumblr und fühlte mich geehrt, mit ihr zusammen an meinem „Fangirl“-Cover zu arbeiten. Jetzt gerade arbeite ich mit zwei meiner Lieblingskünstler zusammen! Kevin Wada hat den amerikanischen Buchtitel zu „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ („Carry On“ in den USA) illustriert, und er ist atemberaubend geworden. Und mit Kris Anka sitzen wir zur Zeit gemeinsam an einem Comicbuch, das demnächst monatlich erscheinen wird.

dabei geht es um Marvels „Runaways“ Comics. Können Sie uns ein bißchen mehr dazu verraten?

„Runaways“ ist meine Lieblings-Comicbuchserie. 2003 wurde sie von Schriftsteller Brian K. Vaughan und dem Künstler Adrian Alphona kreiert. Es geht um sechs Jugendliche, die herausfinden, dass ihre Eltern fiese Bösewichte sind. Die Geschichten sind lustig, romantisch und regen zum Nachdenken an – wie ein richtig gutes Jugendbuch. Leider wurden sie 2009 aus dem Programm genommen. Als Marvel dann bei mir anfragte, ob ich an einem Comicbuch mitschreiben würde, habe ich eine Neuauflage von „Runaways“ vorgeschlagen. Und sie waren offen dafür! Im September erscheint die erste Ausgabe.

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