Geschätzte Lesezeit: 6 min, 53 sec
Ringbahnleser
© Evgeny Makarov

Ringbahnleser:
Das liest Berlin

 

Sie sind neugierig, was ihr Sitznachbar in der S-Bahn liest? Wir fahren in der Berliner Ringbahn mit, Deutschlands einziger Bahnstrecke ohne Endbahnhof – und fragen nach. Vom Klassiker bis zur französischen Dystopie ist alles dabei. Und wer beim Lesen sein Ziel verpasst, dreht einfach eine weitere Runde und genießt die Extraportion Lesezeit!

31.08.2017

Eine Stunde Fahrzeit, 27 Stationen: Wer mittels Ringbahn die Berliner Innenstadt umfährt, muss nicht unbedingt zum Buch greifen, denn zwischen West- und Ostkreuz gibt es viel zu sehen. Aber Leser sind eben Leser – und vertiefen sich in ihre Lektüre, egal wie lange die Fahrt dauert. Wir wollten wissen, was Berlin liest und haben nachgefragt. Das Fazit nach etlichen Runden: Die Buchauswahl ist ebenso bunt gemischt wie die Gruppe der Reisenden. Mit dabei sind Kafka-Klassiker, ebenso wie moderne Spannungsliteratur à la Adler-Olsen und Charlotte Link, aber auch der neueste Roman von Michel Houellebecq. Einsteigen bitte!



Jana liest Kafkas Erzählungen

Jana, Studentin

 

Franz Kafka: Die Erzählungen

 

Meine Zeit in der S-Bahn nutze ich meistens zum Lesen – sonst komme ich leider viel zu selten dazu. Am liebsten lese ich deutsche Klassik. Und natürlich passt da Franz Kafka sehr gut. Ich liebe es, dass er so wunderbar deprimierend schreibt. Ich finde, das ist sehr realitätsnah. Am besten gefällt mir seine Kurzgeschichte „Der Prozess“. Ich glaube, das sollte jeder einmal gelesen haben. Als Schriftsteller bringt Kafka ein beinahe greifbares Gefühl von Hoffnungslosigkeit rüber, das ich bei keinem anderen Autor so intensiv empfunden habe. Dann greife ich gerne noch zu meinen anderen Lieblings-Autoren, wie zum Beispiel Max Frisch, von dem lese ich sehr viel. Gerne auch Gedichte von Rainer Maria Rilke. Oder auch Hans Fallada, Autor von „Kleiner Mann was nun“, den lese ich unglaublich gern.

zum shop

Marvin liest Verachtung von Jussi Adler-Olssen

Marvin, Student

 

Jussi Adler-Olsen: Verachtung

 

Irgendwann hab ich einfach mal nach einem Buch gegriffen, hatte dann Jussi Adler-Olsen in der Hand, und hab’s direkt verschlungen. Das hier ist der vierte Teil „Verachtung“. Mir gefällt, dass Inspektor Mørck so ein komischer Kauz ist. Nach außen hin total der Grummelbär, mit vielen Problemen. Er hasst alles und jeden. Dann sind da noch die anderen Charaktere: Der geheimnisvolle Assistent Assad, oder die Assistentin Rose, die eine gespaltene Persönlichkeit hat. Es ist einfach super spannend, denen zu folgen! Manchmal lese ich bis zu drei Bücher im Monat, und dann aus jedem Genre etwas. Von Fantasy bis zu realistischen Sachen wie Dokumentationen – alles durch die Bank. In der Bahn habe ich immer ein Buch dabei, weil immer nur mit dem Handy da sitzen wird auch schnell langweilig...

zum shop

Monique liest Ken Follett

Monique, Ärztin

 

Ken Follett: Die Säulen der Erde

 

Wenn ich mit der S-Bahn unterwegs bin, hab ich immer etwas zum Lesen in der Hand – meistens einen Roman. Dieser hier ist von Ken Follett und heißt „Die Säulen der Erde“. Es geht darum, dass ein junger Mann im historischen England Baumeister werden will, und am liebsten die schönste und höchste Kathedrale errichten möchte. Und das zieht er trotz vieler Verwicklungen letztlich durch, er schafft es, seinen Feinden zu widerstehen. Die Hauptfigur ist in gewisser Weise sympathisch, aber auch sehr starrsinnig. An seiner Seite steht eine unabhängige Frau, die ist sehr eigensinnig, aber weiß sich selbst zu helfen. Das ist natürlich sehr sympathisch! Ein historisches Epos, wirklich spannend geschrieben. Ken Follett besitzt die Gabe, am Ende der Kapitel wirkungsvolle Cliffhangern einzubauen. Das macht es unterhaltsam und leicht zu lesen – einfach super für die Fahrt.

zum shop

Rico liest Michel Houellebecq

Rico, Datenspezialist

 

Michel Houellebecq: Unterwerfung

 

In der Bahn lernt man Leute kennen, auch über das Lesen, das ist mir schon passiert. Dann tauschen wir uns über unseren Lesestoff aus. „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq hat mir meine Frau geschenkt, nach dem Motto „jetzt, da die Kinder etwas älter sind, kannst Du ja mal wieder was lesen“. Ich hab fast alles von Houellebecq gelesen. Gerade seine ersten Romane, das sind ja zwischenzeitlich Klassiker geworden. Was mich immer interessiert, ist diese Abwegigkeit. In seinen ersten Büchern geht es um Science-Fiction-Szenarien, etwa um das Klonen genetisch optimierter Menschen. Das finde ich spannend. Natürlich sind seine Bücher ein bisschen lebensverachtend. Und manches, was er schreibt, ist auch sehr gemein, aber andererseits gar nicht so unrealistisch. Sein Schreibstil ist anstrengend, aber immer abwechslungsreich, was mein Aufmerksamkeitslevel hoch hält.

zum shop

Eric liest die Fantasyreihe Eragon

Eric, Student

 

Christopher Paolini: Eragon 3 „Die Weisheit des Feuers“

 

Gerade lese ich zum zweiten Mal die Fantasy-Reihe „Eragon“ von Christopher Paolini. Es gibt vier Bände davon, das ist der dritte Teil „Die Weisheit des Feuers“. Da geht es hauptsächlich darum, dass ein junger Teenager im Alter von fünfzehn Jahren ein Drachen-Ei findet, das dann bei ihm schlüpft. Und er zieht dann in die weite Welt hinaus, mit seinem Drachen, und muss versuchen einen Tyrannen zu stürzen, der die Herrschaft kurze Zeit zuvor übernommen hat. Was mich besonders daran reizt: Ich liebe einfach Fantasy! Insbesondere, wenn es um Drachen geht. Aber auch Bücher mit Magie. Und in dem Buch ist beides in einem vereint, es beschreibt die klassische Heldenreise. In der Bahn könnte ich auch Musik hören, aber wenn ich gerade ein schönes Buch lese, verfliegt die Zeit viel schneller.

zum shop

Olivia liest Charlotte Link

Olivia, Abiturientin

 

Charlotte Link: Der Verehrer

 

Wenn ich bei Thalia bin, suche ich mir ein Buch aus, lasse mich inspirieren. Ich lese gerne in der Bahn, aber auch abends im Bett, am liebsten Thriller und Liebesromane. Heute habe ich „Der Verehrer“ von Charlotte Link dabei. Es geht um zwei Morde, oder genauer: Einen Selbstmord und einen Mord, bei dem eine Frau an einen Baum gefesselt aufgefunden wurde. Dabei war sie schon seit sechs Jahren vermisst! Dann taucht ein mysteriöser Mann auf, der sich als Bruder der Selbstmordtäterin outet. Gleichzeitig ist er ein Verehrer der Zeugin des Selbstmordes. Einfach spannend! Ich hab viel von Charlotte Link gelesen, sie ist eine super Schriftstellerin. Ich mag diese Dramen und das Geheimnisvolle. Ihre Geschichten sind fesselnd. Die letzten Seiten lese ich dann immer in einer Nacht durch, weil ich das Ende nicht erwarten kann.

zum shop

thalia logo