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Ronja von Rönne
© Carolin Saage

Best of
Ronja von Rönne

 

Frech, witzig und kurz: Nach ihrem Debütroman legt Nachwuchsautorin Ronja von Rönne mit „Heute ist leider schlecht“ eine bunte Sammlung ihrer besten Kolumnen-Texte vor. Im Video-Interview verrät die Kulturjournalistin, was sie selbst liest, wie sie ihren Weg zur Literatur fand und warum das Schreiben ein anstrengender Traumberuf ist.

12.05.2017

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ammern über das Leben, aber bitte in lustig: Kolumnistin und Nachwuchsautorin Ronja von Rönne hat nach ihrem Debütroman eine Sammlung ihrer besten Texte publiziert. In „Heute ist leider schlecht – Beschwerden ans Leben“ schreibt sie über alles, was das Leben zur Unverschämtheit macht. Beim Jammern sind ihr Zärtlichkeit und Hoffnung wichtig, es geht nicht ums reine Pöbeln. Von Rönne möchte unterhalten und grundsätzlich auch gerne Reaktionen hervorrufen. Dennoch staunt sie selbst nicht schlecht, als sie mit einem provokanten Text über Feminismus eine kontroverse Debatte auslöst. Wie Ronja von Rönne im Interview verrät, hat der Shitstorm sie dermaßen überrollt „dass ich nach Bayern geflüchtet bin, um Tretboot zu fahren“. Später lehnt sie den Nachwuchspreis des Axel Springer Verlags ab, der diesen skandalträchtigen Text auszeichnen sollte. Mit der Begründung, sie habe sich zwischenzeitig selbst von den Worten distanziert und nicht vor, zu einer Gallionsfigur der antifeministischen Bewegung zu werden. Eine deutliche Aussage und klare Haltung. Hier erzählt sie von ihrem neuen Buch, was ihr am Schreiben wichtig ist und gibt persönliche Lese-Tipps.

In Berlin verrät die Nachwuchsautorin im Video-Interview, wie sie ihren Weg zur Literatur fand und was eine Männersocke mit ihrer Berufswahl zu tun hat.

Beschwerden ans Leben:

Heute ist leider schlecht

Mit „Heute ist leider schlecht“ meldet sich die unterhaltsame und talentierte Jungautorin zurück. Anders als in ihrem Debüt widmet sich diese Textsammlung nicht einer abgeschlossenen Geschichte; vielmehr sind hier amüsante und unterhaltsame Kolumnen zu bunt gemischten Themen vereint. Unter der Devise „alles, was das Menschsein zur Unverschämtheit macht“ tut von Rönne in gewohnter Manier ihre Meinung kund – in einem Best-of ihrer publizierten Texte aus der Tageszeitung „Die Welt“, ihrem Blog „Sudelheft“ und ganz neuen Beobachtungen aus dem Alltag.

Sie selbst sieht sich nicht als Pop-Literatin, wird jedoch von der Presse als solche gefeiert. Sprachlich brilliert sie mit witzigen und provozierenden Passagen. Wer den Rönne-Sound kennt und schätzt, findet sich auch in ihren kürzeren Texten sehr gut aufgehoben. Mit jeder Aussage nähert sich Ronja von Rönne scharfsinnig und wortgewaltig den modernen Lebensentwürfen unserer Zeit.

Nach ihrem Debütroman erscheinen mit „Heute ist leider schlecht“ die besten Kolumnen Ronja von Rönnes im Sammelband.

Heute ist leider schlecht von Ronja von Rönne

Persönliche Buch-Tipps

feierwütig

Frédéric Beigbeder: Ferien im Koma

Berlin, mit 18. Völlig abgebrannt, keine Ahnung wohin, Sehnsucht nach einem anderen Leben, alles so, wie es sich gehört in dieser Stadt. Dieses Buch fiel mir in die Hände, wurde Fixpunkt der Sehnsucht. Drogen, Glamour, Pointenfeuerwerk, Absturz. Ich wollte alles ganz genauso haben. Mittlerweile will ich lieber Ruhe, Netflix und Lieferpizza.

einfühlsam

Tilman Rammstedt: Erledigungen vor der Feier

Es ist wahrscheinlich albern, das Debüt des Freundes auf der Liste der Lieblingsbücher zu haben. Es ist aber auch albern, wie gut dieses Buch ist, wie rührend und verzeihlich und komisch. Gewidmet ist es übrigens einer „Sophie“, und das ist die einzige Zeile in dem Buch, die ich nicht mag.

andersartig

Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt

Mit 16 gelesen. Mit 23 wieder gelesen. Ein seltsamer, wunderschöner Wurf, dieses Buch. Damals habe ich es mir in Leseportionen eingeteilt, höchstens 20 Seiten am Tag. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, mich von den Figuren wieder verabschieden zu müssen.

liebevoll

Kurt Tucholsky: Rheinsberg

Das Buch, das mich beim Schreiben begleitet hat. Ein Paar fährt sehr verliebt nach Rheinsberg und kommt sehr verliebt zurück. Sonst passiert nichts. Alles ist leicht, manches lustig, vieles schön. Ich wusste von Anfang an, dass mein Roman keine klassische Dramaturgie verfolgen würden, Spannungsbögen und Plot fand ich schwierig und war deshalb sehr panisch. Tucholsky hat mich beruhigt. Braucht man gar nicht, zeigte Rheinsberg mir, geht auch ohne, Sprache und Witz kann sich selbst genügen.

schaurig

Roald Dahl: Küsschen, Küsschen

Als Kind habe ich mit Begeisterung Schrott gelesen. (Als Erwachsene auch, aber da gebe ich es nicht mehr zu). Mein absoluter Favorit war die Gänsehaut-Reihe, Horrorbücher für Kinder. Es waren erst die 90er, meine Mutter behauptete trotzdem, die Bücher seien sicherlich von einem Computer geschrieben worden, so seelenlos seien sie. Irgendwann reichte es ihr, sie schmiss mir „Kiss, Kiss“ ins Zimmer, „da, falls du mal was wirklich Unheimliches lesen willst“. Habe ich. Und nie wieder was besseres. Von Dahl gehört alles gelesen.

Ronja von Rönne hat viel zu sagen: ob auf Twitter unter @Sudelheft, Facebook, in ihrem Blog oder der Autorenseite der Welt.



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