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© Tomas Rodriguez

Verliebt kochen

mit Poppy J. Anderson

 

Von Deutschlands erfolgreichster Selfpublisherin gibt es nicht nur eBooks, sondern auch gedruckte Bücher: Mit „Küsse zum Nachtisch” hat Poppy J. Anderson gerade den zweiten Band ihrer Reihe „Taste of Love” veröffentlicht. Im Interview verrät die Autorin, wie sie zur Auflagenmillionärin wurde und warum ihre Romane meist in den USA spielen.

4.04.2017

V

om Lehrerdasein zur Schriftstellerin: Geschafft hat das Poppy J. Anderson, die schon immer eine große Schwäche für das Geschichtenerzählen hatte und bereits mit 12 Jahren erste literarische Versuche zu Papier brachte. Da ihr jedoch eine Karriere als Autorin wenig aussichtsreich vorkam, ließ sie sich zunächst zur Lehrerin für Deutsch und Geschichte ausbilden. Doch das Schreiben hat sie nie losgelassen und so stellte sie schließlich eine erste Erzählung einem größeren Publikum vor – per Selfpublishing im Internet.

Der Erfolg ihrer Liebesgeschichten ist eindrucksvoll, mehr als eine Million eBooks wurden verkauft. Kein Wunder, dass es nicht lange dauerte, bis traditionelle Verlage auf die junge Autorin aufmerksam wurden, seit 2014 erscheinen ihre Geschichten auch ganz klassisch als gedrucktes Buch. Im ersten Band ihrer jüngsten Liebesroman-Reihe „Taste of Love: Geheimzutat Liebe” begegnen sich ein abgebrannter Sternekoch und eine talentierte, aber erfolglose Gastronomin und entdecken ihre Liebe beim gemeinsamen Kochen.

Verführerische Kost: Im ersten Band der „Taste of Love” Reihe verlieben sich ein Starkoch und eine junge Gastronomin.

Im zweiten Band „Taste of Love: Küsse zum Nachtisch” erobert ein von der Zeitung verrissener Küchenrebell die dafür verantwortliche Gastrokritikerin mit einer Feinschmeckerwette. Der dritte Band erscheint zwar erst im Oktober, aber so viel sei bereits verraten: In „Taste of Love: Zart verführt” geht es um die Chocolaterie-Inhaberin Liz, deren Familie versucht, sie an einen Fitnessguru zu verkuppeln. Widerstand zwecklos!

Poppy J. Anderson im Interview

Sie sind die erste deutsche Selfpublisherin, deren Bücher über eine Million mal verkauft wurden. warum sind Ihre Geschichten so erfolgreich?

Ich glaube, dass meine Geschichten so erfolgreich sind, weil sie nicht nur einen Nerv bei den Leserinnen treffen, sondern auch auf problematische Themen wie Krankheiten oder Schicksalsschläge aufmerksam machen, ohne zu pathetisch oder zu kitschig zu sein. Zudem lege ich großen Wert darauf, meine Romane humorvoll zu schreiben.

Schreiben war lange Zeit ein Privatvergnügen für Sie. Wie kamen Sie auf die Idee, ihren ersten Roman zu veröffentlichen?

Als ich zum ersten Mal vom Selfpublishing hörte, fand ich den Gedanken faszinierend, meine Bücher einem großen Publikum zugänglich zu machen. Außerdem klang das Prozedere sehr unkompliziert. Zu einem Verlag zu kommen, war in meiner Vorstellung völlig utopisch, weil ich immer davon ausging, dass Verlagslektoren vermutlich tagtäglich hunderte Manuskripte zugeschickt bekämen. Wieso sollte ausgerechnet ich hervorstechen? Von daher habe ich es gar nicht versucht.

Sie haben vorher als Historikerin und Germanistin gearbeitet, bezeichnen sich selbst auch nicht als besonders damenhaft. Wie ist dennoch eine Liebesromanautorin aus Ihnen geworden?

Ich liebe es, Menschen zu unterhalten, und habe früher während der Schulzeit auch gerne Theater gespielt. Wenn das Publikum gelacht oder mitgefiebert hat, war dies das schönste Gefühl überhaupt. Beim Schreiben geht es mir ganz ähnlich. Natürlich gibt es auch eine ernsthaftere Seite an mir, aber ich genieße es, meine Leser zu unterhalten. Und da ich selbst Liebesromane verschlinge und keinen Hang zu Mord- und Totschlag habe, bin ich Liebesromanautorin geworden. Liebesromane müssen nicht immer voll von Glitzer und Pink sein – Fluchen und politische Satire können ebenfalls dazugehören.

Liebesromane müssen nicht immer voll von
Glitzer und Pink sein.

Poppy J. Anderson

Sie schreiben in faszinierendem Tempo und inzwischen sogar unter einem zweiten Pseudonym – Alexandra Graham – historische Liebesromane. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Als Autorin läuft man ständig in Gedanken versunken herum und nimmt alles um sich herum mit anderen Augen wahr. Ich werde andauernd inspiriert und verzweifle oft, weil ich nicht weiß, wann ich die neuen Buchideen zu Papier bringen soll, da noch viele andere Manuskripte und Ideen auf mich warten. Früher habe ich ausschließlich historische Romane gelesen und geschrieben, bis ich irgendwann auch die modernen Romane für mich entdeckt habe.

Sie sind Deutsche, haben sich als Autorin jedoch bewusst ein amerikanisch klingendes Pseudonym zugelegt. Auch Ihre Geschichten spielen meist in den USA. Wie kam es dazu?

Von klein auf war ich von den USA fasziniert. Land, Leute und die Geschichte des Landes üben auf mich von jeher einen ungemeinen Reiz aus. Wer hat nicht schon davon geträumt, einmal nach Manhattan zu reisen? Das Pseudonym habe ich gewählt, weil ich es erstens sehr spannend fand, mich neu zu „erfinden“, und weil ich zweitens meine wissenschaftliche Karriere von meiner schriftstellerischen Tätigkeit trennen wollte. Damals wäre ich gerne Dozentin geworden und hätte vermutlich jedes Mal die Augen verdreht, wenn ich einen Hörsaal betreten hätte, während meine Studenten kicherten und meine Bücher untereinander verteilten.

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